Vorstellung des Konzepts zur Errichtung und Gestaltung des „Dokumentations- und Aufarbeitungs-Zentrums zur Geschichtsepoche 1945 – 1990“ im früheren Herrenhaus Plänitz

In Plänitz wird voraussichtlich ein Zentrum der Aufarbeitung und Dokumentation entstehen, das zugleich einen Museumsteil für Ausstellungen und Archive enthalten soll. Der Standort soll zudem als Begegnungsstätte für alle interessierten Bürger dienen und dabei besonders der jungen Generation wichtige geschichtliche Zusammenhänge so objektiv wie möglich vermitteln.

In Verbindung mit einer Reihe von Unterstützern der Initiative aus der Region, aus ganz Deutschland und sogar darüber hinaus sind bereits seit Ende 2008 erste konkrete Schritte zur Umsetzung des Vorhabens gegangen worden, die im Folgenden zusammenfassend zu erläutern sind. Die Entscheidung für den Ort, nämlich für das als wertvolles Baudenkmal eingestufte frühere Gutshaus Plänitz, ein über 300 jähriger Fachwerk-Barockbau mit ungewöhnlicher Prägung und Lage, beruht zum einen auf der unmittelbaren Nähe zur Stadt Kyritz, in der am 02.September 1945 die sogenannte Bodenreform in der damaligen sowjetischen Besatzungszone verkündet und deren Konsequenzen erstmalig in den umliegenden Dörfern eingeleitet wurden, zum anderen auf der historischen Tatsache, dass in Plänitz selbst die erste direkte Umsetzung der Enteignungs-massnahmen ab 1945 vorgenommen und sogar detailliert dokumentiert worden ist.

Inzwischen können auch erste Vorarbeiten zur Umsetzung des Konzepts genutzt werden: In Potsdam und Döllen/Prignitz sowie in Nordvorpommern wurden bzw. werden zur Zeit Foren und « Werkstatt-Ausstellungen » zu den verschiedenen geschichtlichen Phasen vor und nach 1945 durchgeführt, bei denen in vier Zeitabschnitten die Geschichtsepoche seit 1945 skizziert und illustriert werden, wobei die Gelegenheit genutzt wird, Zeitzeugnisse zu sammeln.

Die weiteren Vorbereitungen werden getroffen zum einen in enger und ständiger Kooperation mit den Fachleuten der Ämter für Denkmalschutz, zum anderen mit Historikern, Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und Beteiligten des Geschehens der letzten 65 Jahre. Allen Mitwirkenden ist das zu erhaltende - und im Falle des Gebäude-Ensembles Plänitz wieder herzustellende - Kulturerbe bewusst. Beweis für die besondere Ernsthaftigkeit des Vorhabens und der einsetzenden Dynamik zu seiner Umsetzung ist die Tatsache, dass aufgrund privaten Engagements dieses vorher vom Verfall bedrohte Ensemble mit dem gesamten Grundstück bereits erworben und eine umfangreiche Planung des Bauvorhabens vorgelegt worden ist.

Die räumliche Ausdehnung des Plänitzer Hauses ( über 700 qm Innenfläche ohne Dachboden und Keller) und der teilweise hoch sanierungs- und restaurierungsbedürftige Zustand der Räume, die über viele Jahre leer standen und sich dennoch, den Umständen entsprechend, in vergleichsweise « gutem Zustand »  befinden, macht unseres Erachtens von der finanziellen Realisierungsmöglichkeit her zwar nur eine Wiederherstellung in mehreren, voraussichtlich in drei bis vier Etappen möglich, erfordert jedoch bereits im Vorwege die Vorlage eines klar erkennbaren Gesamtkonzept zur baulichen Gestaltung und für die Nutzungsmöglichkeiten. Dieses ist der vorgelegten Bauplanung und den Erläuterungen zur Nutzung in Grundzügen zu entnehmen.

Es ist aber als ein Vorteil in diesem « Stufenplan » anzusehen, dass schon relativ kurzfristig eine erste Nutzung zu Ausstellungs- und Seminarzwecken sowie zur Unterbringung von Archiv- und Datenmaterial sowie einiger Personen als Betreuer des künftigen r Zentrums in Angriff genommen werden könnte. Zahlreiche Materialien sind verfügbar, insbesondere eine über 3000 Seiten umfassende Datenbank-Dokumentation, Orte und historische Besitztümer aus allen jungen Ländern, wobei der Region Prignitz, Havelland und dem Grenzgebiet zu Mecklenburg besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

Geeignete und engagierte Personen, auch mit fachlicher Kompetenz versehen, haben sich spontan für das Ingangsetzen der Arbeit des neuen Zentrums und zu zu ständiger Mitarbeit bereit erklärt.

Zum historischen Ensemble gehört eine ansprechende Parkanlage, die sich zur Zeit jedoch noch in eher ungeordnetem, zersplitterten Zustand überwiegend in der Verfügungsgewalt der BVVG befindet. Es sind Verhandlungen in Richtung auf eine Übernahme im Gange, entweder durch einen privaten, mit dem Gesamtvorhaben verbundenen Erwerber oder durch die gemeinnützig anerkannte  »Fördergemeinschaft Recht und Eigentum e.V. « selbst. - Planungsüberlegungen zur Wiederherstellung des Parks nach Vorlagen wurden bereits angestellt.

Wirkung und entstehende Ausstrahlung des „  Zentrums zur Dokumentation und Aufarbeitung der Geschichtsepoche von 1945 bis 1990 “  können auch auf der Tatsache beruhen,dass es zwar in der
Hauptstadt Deutschlands und auch in zahlreichen Orten der Bundesrepublik einerseits schon verschiedene Gedenkstätten, Museen und Erinnerungsorte zur eigenen Geschichte gibt, andererseits
aber ein Zentrum der übergreifenden Dokumentation, Aufarbeitung und Erinnerung der Geschichtsepoche vor und nach dem Jahr Jahr 1945 in den jungen Ländern bisher nicht existiert. Die Aufgabe lautet dementsprechend :
Die bestehende Lücke muss aus historischer wie gesellschaftlicher Sicht jetzt geschlossen werden.

Damit kann der große Schatz aus dem Fundus der noch lebenden Zeitzeugen des Geschehens von 1945 bis 1990 auf dem Gebiet der jungen Länder, der bisher kaum genutzt werden kann , der gerade den künftigen Generationen bislang nur unzureichend dargestellt wird, in seiner wahren Bedeutung gezeigt und allen nahe gebracht werden. Zu bedenken ist auch, dass die Zahl der Zeitzeugen altersbedingt ständig abnimmt, und damit auch wertvolle Unterlagen und Materialien verloren zu gehen drohen, so dass aus Sicht nicht nur der Initiatoren dringender Handlungsbedarf zum jetzigen Zeitpunkt besteht.“
Mit tatkräftiger Unterstützung und kritischer Begleitung der Bürger kann diese nicht einfache Aufgabe gelingen und der Region mit und um Neustadt/Dosse eine neue Facette zu ihrer Vielseitigkeit als Stätte des Kulturerbes hinzugefügt werden.

Datum: 25.05..2009 fre-uln

Weitere Informationen finden sie auch hier:

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